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Pflege heimischer Naturschutzgebiete

Das Biologiezentrum Bustedt versucht mit dieser Arbeit darzustellen,
inwieweit landwirtschaftliche Nutztiere, hier schottische Hochlandrinder,
in der Landschaftspflege eingesetzt werden können um Flächen
ökologisch aufzuwerten.

Das Biologiezentrum Bustedt arbeitet seit 1980 im Bereich der ökologischen
Umweltbildung. Das heißt täglich kommen 4-6 Schulklassen vorwiegend
aus den Regie rungsbezirken Detmold und Münster in das Zentrum, um dort
Unterricht im Freien, im Wald, auf der Wiese, im Garten, am Bach, am Teich
usw. zu erleben. Im Rahmen der AGENDA 21 (Rio 92) steht unsere Arbeit heute
unter der Überschrift: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.
Was hat die Haltung von Hochlandrindem mit der AGENDA 21 zu tun?

Als das BZB 1980 mit der Arbeit begann, wurden im Lande verstärkt
Anstrengungen unternommen, Naturschutzgebiete auszuweisen und zu managen.

Landschaftsplaner und Landschaftsgärtner sahen eine rosige Zukunft vor sich.
In unserem Gebiet (Kreis Herford) wurden Feuchtwiesen nach ganz besonderen
ökologischen Erkenntnissen und stundenlangen Diskussionen gepflegt.

Ergebnis:
Die Wiesen wurden gemäht und das Mähgut getrocknet und dann auf eine
Deponie verbracht. Ich wollte diese Art von Wiesenpflege nicht mitmachen und
kaufte 1986 eine Hochlandkuh mit Kalb. Heute pflegen wir mit ca. 20-25 Tieren
20 ha Naturschutzgebiet im Kreise Herford.
Das einzige Problem, was wir haben ... die Parzellen sind
recht klein 0,5-3 ha und liegen bis zu 15 km auseinander. Die in der Untersuchung
vorkommenden zu pflegenden Naturschutzgebiete:

Biologie Zentrum Bustedt und Bustedter Wiesen 3 ha,
Hiddenhausen Kirche 0,8 ha,
Siek am Brandbach Engerstraße 3 ha,
Hiddenhausen am Freibad 4 ha,
Südlengem am Finkenbusch 3,6 ha.

Die anderen Flächen sind nicht mit in die Untersuchung einbezogen worden, die größte
Fläche befindet sich am Hücker Moor. Zur Zeit arbeiten im Biologiezentrum
3 Zivildienstleistende, die unter anderem auch für die Durchführung der
Pflegemaßnahmen (z.B. Mähen der Wiesen, Versorgung der Rinder) und für
Kontrollaufgaben im Naturschutzgebiet zuständig sind. Geschichte der Erhaltung
und Pflege von Feuchtgrünlandbiotopen.
Es ist bekannt, dass zu Beginn desMittelalters großflächige Rodungen zu
einem grund sätzlichen Wandel des Landschaftsbildesin Deutschland führten.
Neben Äckern und Wiesen prägten vor allem extensiv beweidete Grünlandflächen
die neu entstandenen Vegetationsformen.
Durch die Rodungen entstanden gehölzfreie Flächen, diese schufen für viele
lichtbedürftige Pflanzenarten einen neuen Lebensraum. In der Zeit von ca. 1750 -1850
war das Maximum der Vielfalt an Pflanzenarten und Vegetation in Deutschland
erreicht. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es auf Grund von Emährungsengpässen
bei der stark anwachsenden Bevölkerung zu wesentlichen weiteren Veränderungen
in der Landwirtschaft und zwar unter anderem durch die Einführung einer verbesserten
Dreifelderwirtschaft und dem damit einhergehenden Beginn des Feldfutterbaues,
einer gezielteren Pflanzen- und Tierzucht sowie einer Ausweitung der Landwirtschaftlichen
Nutzflächen auf bisher zu feuchte oder zu trockene Standorte.
Diese Intensivierung wirkte sich auf bisher ungenutzte und extensiv genutzte
Grünlandflächen und deren Vegetationsbestand aus. Moore und Heiden wurden kultiviert
Nass- und Feuchtwiesen durch Gräben entwässert und magere Hutungen aufgeforstet
oder in leistungsfähiges Grünland umgewandelt. Diese Bewirtschaftungsänderung
führte zu einem massiven Rückgang empfindlicher Pflanzenarten.

Diese Tendenz weitete sich mit der Industrialisierung der Landwirtschaft ab 1950
noch weiter auf wesentlich mehr Pflanzenarten aus (FELDMANN und BUWANDT, 1990).
Nach KLAPP (1965) finden sich 456 von etwa 2500 in Deutschland vorkommenden
Gefäßpflanzen, also knapp 20%, in den verschiedenen Grünlandgesellschaften.

Die Ursachen für die Verarmung der Pflanzengesellschaften und -arten sind
vor allem in den Biotopveränderungen bzw. Lebensraumzerstörungen zu suchen.
Nach B IC K (1981) werden die Maßnahmen der modernen Landwirtschaft zu 70% für
die Gefährdung der
Rote-Liste-Pflanzenarten verantwortlich gemacht. Wenn das Ziel
eine großflächige Monokultur ist, darf das Ergebnis, nämlich der Rückgang von seltenen
Arten, nicht verwundem.

Zu den Maßnahmen in der Landwirtschaft gehören unter anderem die Vergrößerung
von Flächeneinheiten, Entwässerung der Grünlandflächen, Düngung, Aufgabe unrentabler
Flächen und Spezialisierung der Produktion. Außerdem kommen noch
außerlandwirtschaftliche Einflüsse wie zum Beispiel Emissionen von Stickoxiden
hinzu. Hier weisen BLAB und NOWAK (1983) auf eine hohe Gefärdung für
Vegetationsbereiche, die eng an Biotope mit extremen ökologischen Bedingungen
gebunden sind, wie zum Beispiel nahrungsarme Feuchtstahdorte, hin. Nun bestehen
verschiedene, zum Teil gegensätzliche Meinungen hinsichtlich der Erhaltungswürdigkeit
bestimmter Gründlandgesellschaften.
Die Flächen, die erhalten wer den sollen, beruhen
ja mehr oder weniger auf einer anthropogenen Entstehung. Eine Meinung ist deshalb,
dass nach Aufgabe der Flächen, die spontane Sukzession die natürliche Weiterentwicklung
dieser Flächen sei. Dies würde dann bedeuten, dass viele Gebiete, die traditionell durch
den Verbiss des Weideviehs offengehalten wurden, sich langsam über verschiedene
Sukzessionsstadien zum Wald zurückentwickeln würden. (KLAPP, 1965). Dagegen spricht
aber, dass die mit der Bewaldung einhergehende Beschattung vielen lichtbedürftigen
krautigen Pflanzen ihre Existenzgrundlage nehmen würde. Diese Arten können aber
wichtige Genresourcen darstellen. Der Nutzen der Pflanzenwelt für die Menschheit
bezüglich Ernährung, Medizin usw. ist noch nicht annähernd erschöpfend untersucht
worden. Außerdem geht mit jeder aussterbenden Pflanzenart gleichzeitig die jeweils von
ihr abhängige Fauna zugrunde. 10 bis 20 Tierarten können auf eine Pflanze angewiesen
sein und können nicht ohne weiteres auf andere Pflanzenarten ausweichen (LUTZ, 1990).

Die Erhaltung von extensiv bewirtschaftetem Grünland hat außerdem auch einen Stellenwert
für Erholungszwecke. Die Beweidung mit verschiedenen landschaftstypischen Tierarten und
Tierrassen gibt einigen Landstrichen erst ihr typisches Gepräge. Es handelt sich hier also
auch um eine Bewahrung des kulturellen Erbes. Für die Erhaltung traditionell gewachsener
Grünlandbereiche wie z. B. auch der hier untersuchten Flächen, kommen verschiedene
landschaftspflegerische Maßnahmen in Betracht: Mahd, Mulchen oder Beweidung mit Nutztieren.

Die Beweidung mit Nutztieren leistet besonders auf solchen Standorten einen Beitrag zum
Arten- und Biotopschutz, die durch sie erst entstanden sind. Vorteile der Beweidung:

1. Verbindung von Landschaftspflege mit landwirtschaftl. Produktion. Es fallen nicht nur
Pflegekosten an, sondern die Beweidung bringt Ertrag z.B. in Form von Fleisch.

2. Der Aufwuchs wird als Futter verwendet und bringt keine Entsorgungsprobleme.

3. Die Pflegekosten sind in der Regel niedriger als bei anderen Maßnahmen.

Diverse Pflanzengesellschaften auf naturschutzrelevantem Grünland sind durch traditionelle
Weidehaltung von Nutztieren entstanden und können auch dadurch erhalten bleiben.
Maßnahmen wie Mähen oder Mulchen helfen, einseitige Entwicklungen zu regulieren,
Bei den untersuchten Grünlandflächen des Biologiezentrums handelt es sich um im
Naturschutzgebiet liegende Feuchtwiesen. Diese müssen gepflegt werden, damit die vor
handene Artenvielfalt an Wiesenpflanzen bestehen bleibt oder sich sogar erhöht und damit
diese Freiflächen nicht verbuschen indem sich Schwarzerle oder Weiden ansiedeln.

Die Beweidung mit Schottischen Hochlandrindem beinhaltet eine Möglichkeit zur
flächenhaften Landschaftspflege.

Als Pflegeziel ist die Erhaltung von anthropogen beeinflussten Grünlandstandorten zu sehen.


Nutzung von Schottischen Hochlandrindern zur Landschaftspflege.
Bei der Überlegung, welche Tiere die Weiden erhalten sollten, suchte ich Tiere, die
den Zweck erfüllten, also Rinder, und die etwas Besonderes für die Besucher (Kinder)
von Bustedt darstellten; also:
Hochlandrinder.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten des Einsatzes von
Schottischen Hochlandrindem zur Pflege gefährdeter
Flächen in Naturschutzgebieten

 

z. B. Feuchtgrünland u. a. Anhand einer feldbiologischen Untersuchung soll ermittelt werden,
inwieweit Highl ands für die Pflege von Grünlandflächen im Naturschutzgebieten geeignet sind.
Zur Zeit werden im Biologiezentrum ca. 25 Rinder zur Pflege von Naturschutzgebieten eingesetzt.
Versuche mit Galloways in Dänemark haben gezeigt, dass durch Beweidung die
Artenzusammensetzung verschiedenster Standorte u. a. auch Feuchtstandorte positiv
beeinflusst wird. Die Rinder beschädigen durch ihren besonderen Biss nicht die Grasnarbe.

Die Weide braucht nicht gedüngt zu werden. Trittschäden liegen bei ihnen um l % im Vergleich
zu sehr schweren Rassen (10 %). Unter dem schonenden Tritt und der sehr schonenden
Beweidung sind die Rhizom treibenden Pflanzenarten von Jahr zu Jahr zurückgegangen und die
Zahl der überwiegend über Keime entstehenden Krauter hat zugenommen. Diese Entwicklung
hat sich wiederum auch positiv auf die faunistische Vielfalt ausgewirkt (MAJTHES et. al„ .......).
Ähnliche Ergebnisse, wie die Untersuchung mit Galloways in Dänemark gezeigt hat, werden auch
auf den Flächen des Biologiezentrums durch den Einsatz von Schottischen Hochlandrindem
erwartet. Die feldbiologische Untersuchung Auf allen Flächen des Biologiezentrums, die mit
Rindern gepflegt werden, wurden Vegetationsaufnahmen erstellt. Die pflanzensoziologische
Erfassung der Vegetation erfolgt nach der Methode von BRAUN-BLANQU ET (1964).

Die Bestimmung
der Pflanzenarten wurde anhand der gängigen Bestimmungsliteratur (Schmeil-Fitschen, 1982;
Rothmaler, 1988; Klapp 1983) vorgenommen. Es werden alle auf den Untersuchungsflächen
vorkommenden Pflanzen mit ihren Deckungsgraden kartiert. Die Vegetationsaufnahmen mit den
Deckungsgraden werden in Vegetationstabellen dargestellt. In den Vegetationstabellen wurden
alle Aufnahmen von 1997 in einer Spalte und die Aufnahmen von 1998 in einer anderen Spalte
zusammenge- fasst, damit ein direkter Vergleich möglich ist. Über die Vegetationsaufnahmen
hinaus wird für das Gesamtgebiet eine Artenliste aller erfassten auf den untersuchten Flächen
vorkommenden Pflanzenarten angefertigt. Weiter wurde das ökologische Verhalten der Pflanzen,
d.h. ihr Vorkommen unter dem Konkurrenzdruck anderer Arten, anhand ihrer Zeigerwerte bewertet
und in der Artenliste daragestellt. Pflanzen sind hervorragende Anzeiger für die vorkommenden
Standortfaktoren: (Licht (L), Feuchtigkeit (F), Bodenreaktion (R) und Stickstoffversorgung (N)).

Zusätzlich zu den vier genannten Zeigerwerten wurden in der Gesamtartenliste noch die Mahd- (M)
und Weideverträglichkeit (W) soweit vorhanden aufgeführt. Ergebnisse Fläche l: Diese Weidefläche
liegt in Hiddenhausen in der Nähe des Freibades. Sie befindet sich an der Badstraße/Schwalbenweg
und liegt im Naturschutzgebiet. Rechts neben der Fläche entlang des Schwalbenweges liegt ein
kleines Waldstück. Direkt entlang der Weide verläuft ein kleiner Graben, wodurch es zu
Überschwemmungen und Staunässe kommen kann. Das zeigt auch die Vegetation. Auf der rechten
Seite kommen Feuchtezeiger wie Cirsium palustre, Angelica sylvestris, Juncus effusum,
Juncus articulatus, Juncus conglomeratus u.a. vor. Auf der linken Seite umrundet die Fläche ein
Hausgrundstück.
Hier sind mehr Stickstoffzeiger zu finden wie z. B. Cirsium arvense Heracleum sphondylium,
Rumex obtu- sifolius oder Rumex acetosa. Hauptsächlich dominieren auf der Fläche aber Gräser
wie Holcus lanatus, Arrhenaterum elatius, Dactylis glomerata, Bromus mollis und Poa trivialis.
Wiesenkräuter kommen meist nur mit geringen Deckungsgraden vor. Insgesamt konnten 63
verschiedene Pflanzenarten bestimmt werden. Wenn man die Aufnahmen aus dem Jahr 1997
mit den Aufnahmen des Jahres 1998 ver gleicht, dann fällt auf, dass im Jahr 1998 einige Krauter
mehr bestimmt werden konnten wie z.B. Lotus comiculatus, Lycopus europaeus, Lythrum salicaria,
Ranunculus flammula. Es ist aber hier nicht festzustellen, ob die Arten sich allein aufgrund der
Beweidung durch die Rinder ausbreiten konnten.
Die Rinder halten die Grasnarbe sehr kurz, sodass nach Beweidung auch Krauter mit hohen
Lichtansprüchen eine Chance haben. Ein Grund könnte auch die Staunässe sein, die aufgrund der
Überschwemmung durch den Graben aufgetreten ist. Die meisten neuhinzugekommenen Krauter
kommen auf die sen nassen Bereichen vor, sodass auch die höhere Feuchtigkeit der Grund sein
könnte. Es gibt aber auch Pflanzen, die 1998 nicht mehr festgestellt werden konnten wie z.B. der
Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) oder die Goldrute (Solidago canadensis). Die Pflanze wächst
lieber in feuchten Hochstaudenfluren. Auf Weiden, die mehrmals im Jahr von Rindern abgeweidet
werden, kann sie sich nicht durchsetzen. Durch die Beweidung mit Rindern wird außerdem eine
langsame Verbuschung der Flächen vermieden. Konnte 1997 noch Weiden- oder sogar
Pappelaufwuchs kartiert werden, so war dieser 1998 nicht mehr vorhanden.

Fläche 2: Die Weide befindet sich hinter der Kirche, genauer neben dem Pfarrhaus in Hiddenhausen.
Es handelt sich um eine artenarme Vegetation (27 Pflanzenarten). Den größten Teil der Vegetation
dieser Fläche nehmen die Gräser wie z.B. Holcus lanatus, Poa trivialis, Dactylis glomerata ein. Es
wachsen sehr wenig verschiedene Krauter auf der Fläche. Die Fläche zeigt nahezu das ganze Jahr
über ein einheitliches grünes Bild. Blühende Krauter sind kaum zu entdecken oder werden wie z.B.
beim Hahnenfuß oder Rotklee von den hohen Gräsern vollständig überdeckt. Auch im Jahr 1998
konnten, trotz Beweidung durch die Rinder, keine Änderungen erkannt werden. Das mag daran
liegen, dass die Fläche jahrelang gedüngt wurde. Das zeigen auch die vielen Stickstoffzeiger wie
z.B. Aegopodium podagraria, Cirsium arvense, Cirsium vulgäre, Agropuyron repens,
Alopecurus pratensis und Poa trivialis.
Viele blühende Krauter haben hier keine Chance, die dichte Grasdecke zu durchdringen.
Feuchtezeiger kommen auf dieser Fläche überhaupt nicht vor.
Fläche 3: Diese Weide liegt im Naturschutzgebiet „Bustedter Wiesen" zwischen Grasweg und
Industriestraße, am Tennisplatz.
An der rechten Seite der Fläche grenzt eine Schilftvegetation an. Die linke Seite der Fläche grenzt
an eine Pferdeweide. Diese Seite ist viel trockner als die rechte Seite. Das lässt sich auch gut aus
der Kartierung ersehen. Es handelt sich um eine artenreiche Feuchtwiese mit insgesamt 55
verschiedenen Pflanzenarten.
Nahezu die Hälfte der Pflanzen wachsen bevorzugt auf feuchten bis nassen Böden wie z.B. Alopecurus
geniculatus, Carex vulpina, Carex ovata, Cirsium palustre, Equisetum palustre, Epilobium roseum,
verschiedene Juncus-Arten usw. Der Anteil an Juncus effusum ist auf diesem Gebiet sehr hoch.
Hier kommen auch sehr viele Pflanzen vor, die weideunverträglich sind oder vom Vieh gemieden
werden. Die verschiedenen Gräser kommen hauptsächlich auf der linken Seite der Fläche vor.
Sie sind meist gut weideverträglich, d.h. sie vertragen ein mehrmaliges Abfressen. Die Weide zeigt
während der Vegetationsperiode ein buntes Bild. Es kommen mehrere Rote Liste Arten vor.
Besonders Senecio aquaticus (Wassergreiskraut) ist dabei sich auszu- breiten,was auch auf die Beweidung
zurückzuführen ist.
Fläche 4: Diese Fläche liegt im Naturschutzgebiet an der Eise in Südlengem
„Am Finkenbusch". Neben der Fläche liegt eine Hochstaudenflur, die etwas in die Weide hineinwächst
z.B. Filipendula ulmarie, Achillea ptarmica und Polygonum amphibium var. Ter- restre.
Ansonsten kommen aber keine feuchtigkeitsliebenden Pflanzenarten vor. Es handelt sich eher
um eine Weide mit sehr großem Gräseranteil und wenig blühenden Pflanzen. Es kommen nur 38
verschiedene Pflanzenarten vor. Bis auf einige Ausnahmen sind sehr viele Pflanzen gut
weideverträgich.
Viele der Pflanzen weisen auch auf einen nährstoffreichen Standort hin. Wahrscheinlich wurde die
Fläche vorher sehr intensiv bewirtschaftet und auch gedüngt. Auch lässt der hohe Anteil von Alopecurus
pratensis darauf schließen, dass die Fläche vor einiger Zeit mit einer Gräsermischung eingesät wurde.
Veränderungen in der Artenzusammensetzung, die aufgrund der Beweidung durch die Rinder
aufgetreten sind, lassen sich noch nicht erkennen. Diese Fläche müsste noch weiterhin untersucht
werden.
Fläche 5: Auch diese Räche liegt im Naturschutzgebiet an der Eise in Südlengem, neben der Fläche 4.
Es kommen aber einige Arten weniger auf dieser Fläche vor (31 Pflanzenarten). Feuchtezeiger sind
kaum vorhanden. Es kommen aber viele Foto2.-Senecioaquaticus(Wassergreiskraut) Pflanzen vor,
die ansonsten auf Äckern wachsen, wie z.B. Anagallis arvensis, Veronica arvensis, Alopecurus
myosuroides, Capsella bursa- pastoris. Diese Fläche kann man als Ackerbrache bezeichnen. Auch
zeigen viele Pflanzen den nährstoff- und stickstoffreichen Standort an wie z.B. Rumex obtusifolius,
Taraxacum offlcinale Cirsium arvense, Cirsium vulgäre, Chenopodium album und Heracleum sphon-
dylium. Wenn man die Aufnahmen 1997 mit 1998 vergleicht, dann lässt sich ersehen, dass viele der
Ackerpflanzen aufgrund der Beweidung zurückgegangen sind wie z.B. Alopecurus myosuroides
oder Anagallis arvensis. Diese Fläche benötigt aber noch einige Jahre, um sich zu einem artenreichen

Fläche 6: Bei dieser Fläche handelt es sich um einen Teil eines Wiesensieks zwischen Brandbach und
Engerstraße gebenüber vom Frauenholz. Es handelt sich um eine artenreiche Feuchtwiese
(66 Pflanzenarten). Entlang der Engerstraße ist das Gebiet ^ feuchter, was auch an den
Feuchtigkeitszeigem zu sehen ist. Hier wachsen verschiedene Seggenarten, Binsen, Kuckuckslichtnelke,
Blutweiderich, Gilbweiderich oder Wassergreiskraut u.a. Diese Pflanzen geben der Wiese ein buntes Bild.
Je näher man zum Bach kommt, je mehr nimmt der bunte Aspekt ab und wird von Gräsern, Brennnesseln,
Stumpfblättriger Ampfer oder der Ackerkratzdistel abgelöst. Hier kommen auch die stickstoffliebenden
Pflanzenarten vor. Obwohl dieser Bereich nahe am Bach l iegt, kommen keine Feuchtigkeitszeiger vor.
Das mag daran liegen, dass das Ufer sehr steil ist und der Bach sehr viel tiefer als die Wiese liegt. Die
bachbegleitenden Erlen sorgen außerdem für eine Beschattung der Ufervegetation. Auch auf dieser
Fläche sind Rote Liste Arten zu finden.
Besonders Senecio aquaticus (Wassergreiskraut) kann durch die Beweidung mit Rindern gefedert werden.
Senecio aquaticus blüht im Juli bis August. Im Frühjahr sieht man nicht mehr als eine Blattrosette, die
von den Rindern nicht gefressen wird, da sie vom Rindermaul nicht erfasst werden kann.
Lässt man im Frühjahr die Rinder auf diese Fläche, so schaden sie dem Wassergreiskraut nicht und
sorgen aber dafür, dass sich die Lichtverhältnisse für die Pflanze bessern. Sie breitet sich aus. Während
andere Pflanzen, die weideempfindlich sind, wie z.B. Filipendula ulmaria im Bestand zurückgehen.

Fläche 7: Hier handelt es sich um die Weide direkt hinter dem Rinderunterstand am Biologiezentrum.
Da sich die Rinder allesamt den ganzen Winter über auf dieser Fläche befinden, ist die Fläche besonders
direkt vor dem Unterstand stark durch Tritt geschädigt. Die Fläche wird im Frühjahr sofort von der
Krötenbinse (Juncus bufonius) und dem Wasserpfeffer-Knöterich (Polygonum hydropiper) als
Pionierpflanzen besiedelt. Diese beiden Pflanzen und auch das Gänsefingerkraut kommen mit hohen
Deckungsgraden vor. Es handelt sich um einen feuchten Standort, was auch durch die Vegetation
gezeigt wird. Es kommen hauptsächlich Feuchtigkeitszeiger vor, insgesamt konnten 40 Pflanzenarten
kartiert werden.
Da diese Weide über den Winter ziemlich kurz gehalten wird, kommen weideempfindliche Pflanzen
kaum vor. Dafür aber Arten wie Ranunculus repens oder Trifolium repens, die zu den weideverträglichen
Pflanzen gehören. Der Bestand von Iris pseudacorus, welche weideempfindlich ist, ist durch die starke
Beweidung zurückgegangen.
Fläche 8: Diese Fläche gehört zur Fläche 7 dazu, ist für die Vegetationsaufnahme aber von dieser
getrennt worden, da hier kaum Trittschäden zu finden sind. Die Pflanze- zusammensetzung ist ähnlich
wie bei Fläche 7 (44 Pflanzenarten). Polygonum hydropiper und Juncus bufonius sind hier aber nicht
bestandsbildend. Am Rande der Fläche findet sich auf der Höhe des Teiches eine Hochstaudenflur.
Am Ende der Fläche geht diese in einen Brennnesselsaum über. Die meisten Pflanzen zeigen eine
Vorliebe für feuchte Standorte, jedoch kommen auch Stickstoffzeiger vor. Die Fläche hat auch einigen
Aufwuchs an Schwarzerlen, die jedoch bei Beweidung mit den Rindern zurückgedrängt werden.
Die gesamte Fläche ist dabei, sich in eine Hochstaudenflur zu entwickeln. Diese Entwicklung kann nur
durch die Beweidung gestoppt werden.

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit versucht darzustellen, inwieweit landwirtschaftliche Nutztiere,
in diesem Fall Schottische Hochlandrinder, in der Land schaftspflege eingesetzt werden können.
Bei den der Untersuchung zugrundeliegenden Flächen handelt es sich zum einen um extensiv
bewirtschaftetes Feuchtgrünland (Fläche 3, 6, 7 u. 8), zum anderen um(2, 4 u. 5). Auf der Fläche l konnten
sowohl feuchte als auch trockene Bereiche festgestellt werden. Auffällig ist, dass alle Feuchtgrünländer
über eine viel höhere Artenvielfalt (55, 66, 40, 44 Arten) verfügen als die trockeneren Grünländer
(27, 38 u. 31 Arten). Auf der Fläche l konnten 63 Arten kartiert werden. Anhand der in den Jahren 1997
und 1998 erfolgten pflanzensoziologischen Aufnahmen der Grünlandflächen, lässt sich ersehen,
dass die in den letzten Jahren vollzogene Intensivie rung der Bewirtschaftung zu einer Reduzierung
der Biotopvielfalt und somit zu einer Abnahme der Artenvielfalt führte (siehe Anlage 2, 4 und 5).
Je stärker die Bewirtschaftung rationalisiert und mechanisiert wird, um so mehr nimmt die Vielfalt und
Natürlichkeit der Ökosysteme ab. Die Flächen verarmen.
Währenddessen bilden vielfältig strukturierte extensiv bewirtschaftete
Grünlandflächen, wie die hier untersuchten Flächen l, 3, 6,7 u. 8 einen wesentlichen Erlebniswert in der
Landschaft. Neben der vorhergehend beschriebenen Blumenpracht sind es die vielen verschiedenen
Arten von Schmetterlingen, Heuschrecken, Vögeln und anderen Tieren, die die Landschaft besonders
beleben. Mit ihren Leitarten zeigen sich intakte Grünlandbiotope an.
Mit der Beweidung durch Schottische Hochlandrinder wurde nun der Versuch gestartet, die
obengenannten Flächen ökologisch aufzuwerten. Diese Aufwertung betrifft sowohl die Flora als auch
die Fauna der untersuchten Gebiete. Bei jeder Form der Beweidung besteht grundsätzlich die Gefahr,
dass Gelege boden brütender Vögel zertreten werden. Der Umfang der Gelegeverluste ist zum einen
abhängig von der Besatzdichte und zum anderen von der Art und vom Alter der jeweiligen Tiere.
Bodenbrütende Vogelarten, die noch vor einigen Jahren z.B. in den Bustedter Wiesen ( Fläche 3) zu
beobachten waren, sind der Kiebitz, das Braunkehlchen, das Rebhuhn u.a. Auf den Wiesen beim
Biologiezentrum (Fläche 7 und 8) sollen früher sogar auch Orchideen vorgekommen sein.
Bei den ehemals intensiv bewirtschafteten Flächen lässt sich nach dieser kurzen Zeit der Untersuchung
allerdings noch keine oder kaum eine Änderung der Artenzusammensetzung feststellen.

Bei den Feuchtgrünlandflächen konnten schon so einige Veränderungen festgestellt werden.
Es wurde aber auch deutlich, dass zwischendurch auch immer wieder gemäht wer den muss,
da durch die Beweidung mit Rindern auch bestimmte Pflanzenarten wie z.B. Binsen oder Disteln
gefördert werden und sich so zu stark ausbreiten. Um noch zu weiteren Ergebnissen zu kommen,
müssen die vorgenannten Flächen auch weiterhin untersucht werden. Für fundierte Ergebnisse
reichte die vorgegebene Unter suchungszeit von 2 Jahren nicht aus.

Auf jeden Fall kann aber nach dieser Untersuchung gesagt werden, dass sich der Einsatz von
Schottischen Hochlandrindem in der Landschaftspflege lohnt.
Die Pflege der Rinder ist arbeitszeit- und kapitalintensiv. Die Rinder selbst sind wetterfest und anspruchslos.
Sie sind außerdem langlebig, leichtkalbig und gutmütig.
Da bei extensiver Nutzung nur eine geringe Besatzdichte in Frage kommt, sind allerdings große Flächen
erforderlich. Extensive Weidesysteme sind Beispiele für nachhaltige, kreislauforientierte Landnutzungs
modelle, die in hohem Maße Zielsetzung des Naturschutzes integrieren.

• Literatur
MATTHES, Fleischnnderjournalfür Mutterkuhhaltung^
KNOBBE, Fleischnnderjournal 3/96 ROTHMALER.W (1988) Exkursionsflora für die Gebiete dei DDR
und der BRD Band 4 Volk und Wiesen, Volkseigener Verlag, Bei Im SCHMEIL.O &FITSCHEN.J (1982)
Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 87. Auflage, Quelle & Meyer,
Heidelberg SUKOPPetal (1978)- WOLFF, R et al, (1988) Florenliste von Nordrheinwestfalen
Schriftenreihe der Landesanstalt für Ökologie, Lansi hafttentwu klung und Forttplanung NRW,
Band 7 FELDMANN und BU RAN DT (1990} Einsatz alter und gefährdetet Hausliei rassen in
Naturschutz und Landsc haftspflege BLAB. J und E NOWAK (1983) Grundlagen. Probleme und
Ziele dei Roten Lilien der gefährdeten Arten. - Natur und Landschaft, 58 Jrg , H l 3-8 BRAUN-BLANQUET,
J (1964) Pflanzensoziologie (Grundzüge der Vegetationskunde), 3. Auflage, Wien/New York ELLENBERG,
H. {1979}: Zeigerwerte der Gefäßpflanzen Mitteleuropan 2 Auflage Scnpta Geohotaniia 9 KLAPP,
E (1965) G runlandvegetation und Standort. • Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg KLAPP, E ,
(1983) Taschenbuch der Gräser LUTZ. J , (1990) Eignung versi hiedener Nutztierrassen zur
Landsc haftspflege auf gefährdeten Grunlandstandorten - Mitteilungen aus dem
Erganzungsstudium Ökologische Umweltsicheruns, 1611990

 

   

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